Deutsch-Polnisches Barometer 2025 – Teil 1

wochenblatt.pl 23 godzin temu

Wenden sich Polen von Deutschland ab?

Seit 25 Jahren sammelt und veröffentlicht das Deutsch-Polnische Barometer regelmäßig Meinungen von Polinnen und Polen sowie Deutschen zu ihrem gegenseitigen Image, zum Zustand der deutsch-polnischen Beziehungen und zu aktuellen Herausforderungen. Wie sah die Lage im Jahr 2025 aus? Antworten darauf liefert Agnieszka Łada-Konefał, Autorin der Studie und stellvertretende Direktorin des Deutschen Polen-Instituts.

Nach der Veröffentlichung der aktuellen Ergebnisse stellten sich viele die Frage: Mögen die Polen die Deutschen nicht mehr? Das Barometer zeigt, dass nur noch ein Drittel der Polinnen und Polen (32 %) Sympathie für Deutsche empfindet. Im Vergleich zu früheren Erhebungen ist das ein deutlicher Stimmungsumschwung. Nach mehreren Jahren eines Aufwärtstrends markiert dieser Wert einen starken Rückgang positiver Gefühle gegenüber dem westlichen Nachbarn. Zugleich ist der Anteil derjenigen, die offen Ablehnung äußern, mit 25 % so hoch wie seit dem Jahr 2000 nicht mehr – jeder vierte Pole steht Deutschland negativ gegenüber. Ist nun der Tiefpunkt erreicht?

„Ich hoffe, dass sich diese Werte nicht noch weiter verschlechtern“, betont Agnieszka Łada-Konefał. „Leider wird dieser Zustand durch viele Faktoren verursacht, die sich in naher Zukunft nicht unbedingt verbessern werden.“

Agnieszka Łada-Konefał Foto: Andrea Polanski

Als Ursachen für diese Haltung gelten unter anderem der Einfluss sozialer Medien, die zunehmende politische Polarisierung sowie der Unterschied zwischen der pauschalen Wahrnehmung „der Deutschen“ und der Akzeptanz einzelner Menschen. In Polen ist die Schule mit 37 % die wichtigste Informationsquelle über Deutschland, seine Gesellschaft und Kultur. Gleichzeitig greifen Polinnen und Polen deutlich häufiger als Deutsche auf Internetportale, Filme, Fernsehserien und soziale Netzwerke zurück, um sich über das Nachbarland zu informieren. Laut Łada-Konefał kommt der Politik dabei eine Schlüsselrolle zu:

„Die polnische Politik, oder besser gesagt die Politiker, spielen dabei eine entscheidende Rolle. Jeder dritte befragte Pole gibt an, sein Wissen über Deutschland aus Aussagen von Politikern zu beziehen. Und diese, insbesondere diejenigen aus dem rechten politischen Spektrum, äußern sich, wie andere Analysen des DPI zeigen, nicht unbedingt objektiv über Deutschland, sondern bedienen sich oft Stereotypen oder bezeichnen Deutschland sogar als Feind.“

„Nach mehreren Jahren eines Aufwärtstrends markiert dieser Wert einen starken Rückgang positiver Gefühle gegenüber dem westlichen Nachbarn.“

In Deutschland fallen die Ergebnisse der Studie deutlich positiver aus. 42 % der Deutschen empfinden Sympathie für Polen, also genauso viele wie im Jahr 2022. Der Anteil derjenigen, die Abneigung äußern, ist hingegen spürbar gesunken und liegt bei nur noch 9 %.

Unterschied zwischen allgemeiner und persönlicher Sicht

Einen erheblichen Einfluss auf die gegenseitige Wahrnehmung hat zudem ein Aufenthalt im Nachbarland. Personen, die das andere Land besucht haben, bekunden mehr Sympathie für ihre Nachbarn und zeigen eine höhere Akzeptanz in unterschiedlichen sozialen Rollen.

Dabei zeigt sich erneut eine klare Differenz zwischen allgemeiner und persönlicher Wahrnehmung. „Die Deutschen“ oder „die Polen“ werden laut den Ergebnissen anders beurteilt als „meine polnische Freundin“, „mein deutscher Nachbar“ oder andere konkrete Personen. Deutsche weisen gegenüber Polen eine deutlich höhere Akzeptanz in verschiedenen sozialen Rollen auf – ob als Nachbar, Freund, Ratsmitglied, Schwiegerkind oder sogar als Vorgesetzter – als umgekehrt. Die Unterschiede betragen je nach Rolle zwischen 14 und 32 Prozentpunkten.

Das Cover der aktuellen Studie „Deutsch-Polnisches Barometer 2025“ von Jacek Kucharczyk und Agnieszka Łada-Konefał.
Quelle: Deutsches Polen-Institut

Während in Polen der höchste Akzeptanzwert gegenüber Deutschen bei rund drei Vierteln der Befragten liegt, erreicht er in Deutschland gegenüber Polen bis zu 90 %. Solch große Unterschiede wurden seit vielen Jahren nicht mehr festgestellt. Zudem haben sich die Antworten der polnischen Befragten seit der letzten Erhebung im Jahr 2022 in allen untersuchten sozialen Rollen deutlich verschlechtert. In Deutschland hingegen ist die Akzeptanz gegenüber Polen weiter gestiegen und erreicht den höchsten Stand seit Beginn der Umfrage.

Die gegenseitigen Beziehungen

Auf beiden Seiten der Oder wird der Zustand der deutsch-polnischen Beziehungen ähnlich bewertet: 51 % der Polen und 49 % der Deutschen halten sie für gut, ein Viertel bezeichnet sie als schlecht. Damit ist der Anteil positiver Einschätzungen im Vergleich zu 2024 deutlich gesunken. Unterschiede zeigen sich jedoch bei den Schwerpunkten, die die Beziehungen prägen sollten. So sind 70 % der Deutschen der Ansicht, dass aktuelle und künftige Themen im Vordergrund stehen sollten – nur 48 % der Polen teilen diese Meinung. Gleichzeitig verweisen doppelt so viele Polen (34 %) wie Deutsche (16 %) auf die historische Vergangenheit.

Das Cover der aktuellen Studie „Deutsch-Polnisches Barometer 2025“ von Jacek Kucharczyk und Agnieszka Łada-Konefał.
Quelle: Deutsches Polen-Institut

„Einerseits lässt sich dies natürlich aus psychologischer Sicht erklären – die Opfer und ihre Nachkommen haben eine andere Perspektive als die Täter und deren Nachkommen. Im Falle dieser Frage wissen wir jedoch, dass beispielsweise im Jahr 2011 73 % der Polen auf die Gegenwart und Zukunft verwiesen haben“, erklärt die Autorin der Studie. „Ein derart deutlicher Rückgang dieses Wertes ist gleichzeitig mit der Rhetorik in Bezug auf Deutschland zu verbinden, die sich insbesondere auf der rechten Seite der polnischen Politikszene in den letzten Jahren auf historische Themen und Ungerechtigkeiten der Vergangenheit konzentriert hat.“

60 % der Deutschen halten die Wiedergutmachung für die Verbrechen des Zweiten Weltkriegs für ausreichend, nur 17 % der Polen teilen diese Ansicht. Ein Drittel der Polen hält die bisherigen Maßnahmen für unzureichend, während dies nur 3 % der Deutschen so sehen. 58 % der Polen und 23 % der Deutschen wünschen sich, dass Deutschland mehr tut. Reparationszahlungen werden in Polen von jedem vierten Befragten befürwortet, in Deutschland nur von 2 %. Weitere Forderungen in Polen betreffen Entschädigungen für noch lebende Opfer, Bildungsmaßnahmen und die Pflege von Gedenkstätten.

Akzeptanz im Alltag: In Deutschland erreicht die Akzeptanz von Polen in verschiedenen sozialen Rollen einen Rekordwert von 87 %, während die Werte in Polen deutlich auf 68 % zurückgegangen sind.
Quelle: Deutsches Polen-Institut

„Das Thema ist in der Tat nicht einfach“, gibt Łada-Konefał zu. „Die Errichtung eines Denkmals für die polnischen Opfer in Berlin ist sicherlich eine wichtige Geste – der Bundestag hat die Bundesregierung im Dezember dazu verpflichtet, in dieser Angelegenheit tätig zu werden. In Polen würde es auch positiv aufgenommen werden, wenn den letzten noch lebenden Opfern des Dritten Reiches eine Unterstützung in Form einer ‚humanitären Geste‘ gezahlt würde. Aber natürlich wird das nicht alle zufriedenstellen. Kritiker werden immer sagen, dass das nicht genug ist. Bildungs- und Informationsmaßnahmen haben eine viel größere Bedeutung, denn sie zeigen die Bedeutung der gegenseitigen Beziehungen für die Zukunft beider Länder auf und ermöglichen es, sich besser kennenzulernen und die andere Seite besser zu verstehen. Daher sind auch hier weitere konkrete Schritte erforderlich.“

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